Offizierslaufbahn

Bundeswehr Einstellungstest der Offizierslaufbahn

Einstellungstest Bundeswehr Offizierslaufbahn

Die Offizierslaufbahn ist die höchste der Laufbahnen der Bundeswehr. Die grundsätzlichen Voraussetzungen sind Abitur/Fachabitur oder eine als gleichwertig anerkannte Bildungsvoraussetzung. Weiterhin ist der mittlere Schulabschluss mit einer abgeschlossene Berufsausbildung ausreichend. Die allgemeinen Bundeswehr Voraussetzungen bleiben gegeben. Weiterhin besteht die Möglichkeit als Seiteneinsteiger mit höherem Dienstgrad eingestellt zu werden. Dafür muss der Bewerber bereits ein verwertbares Studium abgeschlossen haben. Die Verpflichtungszeit beträgt für Offiziere mindestens 13 Jahre. Offiziere im fliegerischen Dienst verpflichten sich 16 Jahre und Offiziere im Sanitätsdienst verpflichten sich für 17 Jahre. Bei Seiteneinsteigern beträgt die geringste Verpflichtungszeit drei Jahre. Am Einstellungstest muss jedoch jeder der Offizier werden will teilnehmen.

Im Folgenden werde ich dir den Ablauf der Eignungsfeststellung für die Offizierslaufbahn erläutern und dir einige Tipps geben, die aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses der Eignungsfeststellung deutlich erhöhen. Bei meinem Bundeswehr Einstellungstest haben mir die beschriebenen Dinge im jeden Fall sehr geholfen.

Du hast den Karriereberater aufgesucht und hast alle deine Bewerbungsunterlagen abgegeben. Du wirst von der Bundeswehr für den Eignungstest für die Offizierslaufbahn in die Mudrakaserne nach Köln eingeladen. In der Mudrakaserne, im so genannten Assessment Center für Führungskräfte der Bundeswehr, werden zentral für alle Offiziersbewerber der Eignungstest und das Assessment Center durchgeführt.

Einstellungstest Bundeswehr Offizierslaufbahn
Mudra-Kaserne in Köln

In der Einladung zu dieser Prüfung sind alle wichtigen Informationen enthalten. Du erhältst ebenfalls ein Bahnticket mit dem du nach Köln reisen kannst. Um den kompletten Bundeswehr Einstellungstest zu durchlaufen wirst du drei Tage in der Mudrakaserne verbringen. Du wirst in der Kaserne auf Mehrbettstuben untergebracht. Aufgrund der besseren Umsetzbarkeit kann die Reihenfolge des Prüfungsablaufes für die Teilnehmer variieren, um alle Kapazitäten am besten nutzen zu können. Am Ende hat jeder Bewerber alle Stationen vom Bundeswehr Test durchlaufen. Der gesamte Bundeswehr Einstellungstest wird im Folgenden dargestellt. Die Reihenfolge der Prüfstationen kann variieren, entspricht aber beispielsweise dem Ablauf meines eigenen Einstellungstests bei der Bundeswehr.

Erster Tag

Ankunft

Du steigst in dein Auto oder in den Zug, um nach Köln zu reisen. An der Mudrakaserne angekommen meldest du dich an der Pforte mit deiner Einladung und deinem gültigen Personalausweis. Du betrittst das Unterbringungsgebäude und erhältst den Schlüssel für deine Stube. Anschließend kannst du die Stube beziehen und lernst deine Stubenkameraden kennen. Du beziehst dein Bett und verstaust deine persönlichen Dinge. Anschließend begibst du dich mit den restlichen Kameraden zur ersten offiziellen Veranstaltung.

Tipp: In der Einladung zum Bundeswehr Eignungstest steht, dass du in angemessener Kleidung erscheinen sollst. Ich kann dir wirklich nur ans Herz legen, einen Anzug oder vergleichbare Kleidung zu tragen: Man kann nicht „zu schick“ angezogen sein. Du willst Offizier/Führungskraft werden und solltest dich dementsprechend kleiden. Das kannst du so auch als Begründung verwenden, wenn du von den Prüfern zu deiner Kleidung gefragt wirst.

Bei der Veranstaltung wird dir der Ablauf des Bundeswehr Einstellungstest für die Offizierslaufbahn bekannt gegeben. Weiterhin füllst du einige Formulare aus in denen du unter Anderem deine Motivation zur Bundeswehr zu gehen bzw. in die Offizierslaufbahn einzusteigen, beschreiben musst.

Tipp: Mache dir vorher wirklich Gedanken darüber, warum du zur Bundeswehr möchtest. Sei dir im Klaren darüber, dass du als Offizier viel Verantwortung übernimmst. Wenn es deiner wirklichen Motivation entspricht, ist es aber nicht schlimm wenn du dir vorher die richtigen Worte bereitlegst. Dies erspart dir gegebenenfalls in der Prüfungssituation nach den richtigen Worten suchen zu müssen. Sei dir aber darüber im Klaren, dass die Anwesenden Prüfer dir die „Klassiker“ nicht direkt glauben werden. Es ist enorm wichtig im weiteren Verfahren seine Überzeugungen glaubhaft und authentisch zu vermitteln. Im Folgenden werde ich für dich einige Beispielmotivationen formulieren, die du gerne benutzen, kombinieren oder nach deinen Vorstellungen umwandeln kannst, wenn sie deinen Gedanken und Motivationen entsprechen.

  • Ich würde gerne die Offizierslaufbahn einschlagen, weil es einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige Beruf ist, indem ich sehr früh Verantwortung für andere Menschen und Material übernehmen kann.
  • Ich würde gerne die Offizierslaufbahn einschlagen, weil der Dienst in Uniform mich reizt und ich mich mit dem Beruf des Soldaten/Offiziers sehr gut identifizieren kann.
  • Ich würde gerne die Offizierslaufbahn einschlagen, weil ich anderen Menschen helfen will und ich glaube, dass ich bei der Bundeswehr sowohl im Inland, als auch in den Auslandseinsätzen etwas bewirken kann.
  • Ich würde gerne die Offizierslaufbahn einschlagen, weil ich Deutschland etwas zurückgeben möchte. Deutschland und die deutsche Gesellschaft haben es mir ermöglicht, sicher und behütet aufzuwachsen und eine gute Schulbildung zu genießen. Nun möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass es für kommende Generationen vergleichbare Möglichkeiten gibt.
  • Ich würde gerne zur Bundeswehr gehen und die Offizierslaufbahn einschlagen, weil mir durch Familienangehörige das Leben und Arbeiten als Soldat bekannt ist und mir gefällt. Ich möchte die Soldatische Tradition meiner Familie fortführen.
  • Ich würde gerne die Offizierslaufbahn einschlagen, weil ich von der erstklassigen Ausbildung und der Möglichkeiten bei der Bundeswehr überzeugt bin.
  • Ich würde gerne zur Bundeswehr gehen und Offizier der deutschen Streitkräfte werden, weil ich ein Teamplayer bin. Ich war schon immer daran interessiert mit anderen zusammen ein Ziel zu erreichen. Ich glaube Kameradschaft ist das wichtigste was es gibt und gemeinsam Erfolg zu haben.

Dir werden am Anfang des Einstellungstest Bundeswehr meistens zwei oder drei Offiziere vorgestellt, welche dir und den anderen Prüflingen zur Seite stehen. Sie beantworten euch Fragen über den Beruf des Soldaten/Offiziers. Diese Offiziere stehen meistens am Ende ihrer Verpflichtungszeit und verhalten sich sehr kameradschaftlich und freundlich. Meistens kommen sie aus unterschiedlichen Teilen der Bundeswehr (Heer, Luftwaffe, Marine), um für alle Fragen der Offiziersanwärter qualifiziert zu sein.

Der erste Tag endet für viele bei einem kühlen Getränk im Mannschaftsheim der Kaserne. Hier kannst du dich mit den anderen Bewerbern über den Ablauf des Eignungstest und eure Vorbereitung für die Offizierslaufbahn austauschen bzw. erste kameradschaftliche Bindungen knüpfen. Die Beratungsoffiziere sind meistens auch dabei und erzählen aus dem „Nähkästchen“. Der erste Abend sorgt somit für eine gewisse Auflockerung, der zuvor recht angespannten Stimmung. Du solltest jedoch frühzeitig ins Bett gehen, denn am nächsten Morgen wird der zweite Tag sehr früh beginnen. Dieser Tag ist sehr wichtig, da deine Offizierseignung festgestellt wird. Am Ende des zweiten Tages werden bereits viele Bewerber aus dem Auswahlverfahren ausgeschieden sein.

Zweiter Tag

Am zweiten Tag müsst ihr euch auf einen frühen Beginn einstellen. Die Uhrzeit kann variieren. Die nötigen Informationen habt ihr jedoch alle am Vortag erhalten.

Deutschtest

Direkt am frühen Morgen geht es mit dem Deutschtest los. Hier bekommt ihr zwei Begrifflichkeiten die ihr definieren und voneinander abgrenzen müsst. Am Ende muss ein Fazit gezogen werden. Beispiele können hierfür sein:

  • Liebe und Zuneigung
  • Angst und Furcht
  • Ärger und Wut
  • Schwäche und Nachgibigkeit
  • Kraft und Stärke

Tipp: Versuche dich klar auszudrücken und Position zu beziehen. Ich weiß, dass in der Schule häufig gefordert wird auszuschweifen und mehrere Blickwinkel einzunehmen und ausführlich zu analysieren. Das ist hier nicht gefordert.

Dieser kleine Aufsatz muss in 30 Minuten beendet werden. Hier geht es darum seine Fähigkeiten mit der Sprache und Schrift darzustellen. Ein Offizier muss sich in Wort und Schrift vernünftig ausdrücken können.

Tipp: Achte auf die deutsche Rechtschreibung und Grammatik. Die Sätze sollten nicht „zu einfach“ gestrickt sein. Zeige dass du dich gut ausdrücken kannst. Das Schriftbild sollte ebenfalls ordentlich sein.

Persönlichkeitstest/Computertest

Der Computergestützte Test für die Offizierslaufbahn unterscheidet sich in seinem Ablauf kaum von dem Test für die Felwebellaufbahn. Hier werden zum großen Teil gleiche bzw. ähnliche Fragen benutzt. Der Schwierigkeitsgrad und die Erwartungshaltung steigen jedoch. Größtenteils sind die Aufgaben multiple Choice, also werden vom System vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Die richtige Antwort sollte angekreuzt werden. Die Aufgaben sind Zeitgebunden.

Tipp: Es werden Aufgaben dabei sein die ihr nicht beantworten könnt. Erhaltet euch die Chance von 25 Prozent, indem ihr trotzdem etwas ankreuzt. Es ist sehr ärgerlich wenn die Frage aufgrund von Zeitmangel verschwindet, ohne irgendetwas angekreuzt zu haben. Grundsätzlich gilt es aber besonders beim Computertest die Ruhe zu bewahren und sich zu konzentrieren.

Euch erwartet ein Englischtest, indem ihr englische Sätze mittels multiple Choice beenden müsst. Weiterhin erwartet euch ein recht umfangreicher Mathematiktest. Ihr müsst Flächeninhalte und Volumina berechnen. Weiterhin werden Prozentrechnen und Dreisatz abgefragt. Einige Matrizenaufgaben ist ebenfalls ein Bestandteil des Tests.

Tipp: Viele Menschen haben Angst vor dem Mathematiktest. Auch ich bin eindeutig kein Überflieger in Mathe. Es bietet sich wirklich an die oben genannten mathematischen Testfragen im Vorhinein zu üben. Dies gilt besonders für die Bewerber, welche die Schulzeit einige Jahre hinter sich gelassen haben. Auch ich konnte relativ schnell wieder mit derartigen Aufgaben zurecht kommen.

Auf die mathematische Überprüfung erfolgen auch einige mechanische Verständnisfragen. So werden kleine Bilder mit Zahnrädern gezeigt. Der Bewerber muss beispielsweise die Laufrichtung der Zahnräder ankreuzen.

Es folgen noch einige Fragen zu allgemeinen Themen, wie beispielsweise Alkoholkonsum, Konfliktverhalten, Gleichberechtigung, Demokratieverständnis, Umgang mit der Schusswaffe etc. Hier geht es darum, die Persönlichkeitsstruktur des Bewerbers herauszufiltern.

Auf die Fragen muss mit Antwortmöglichkeiten, wie „Ich stimme absolut zu“, „Ich stimme überwiegend zu“, „Ich stimme nicht zu“, geantwortet werden. Diese Fragen werden im psychologischen Gespräch teilweise erneut gefragt und „abgeglichen“. Bei Unstimmigkeiten wird seitens der Prüfer nachgehakt.

Tipp: Wie beschrieben werden besonders sensible Fragen im persönlichen Gespräch gerne erneut gestellt. Hier gilt die vernünftige Vorbereitung als das beste Mittel. Setzt dich wirklich mit den Fragen auseinander. Kannst du eine Schusswaffe gegen einen Menschen einsetzen? Versuche auf solche kurzen Fragen nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ zu antworten. Das Wichtigste für die Prüfer ist es zu sehen, dass der Bewerber sich mit derartig schwierigen Fragen auseinandergesetzt hat. Beispielsweise könntest du antworten:

Über diese Frage habe ich mir selbstverständlich bereits Gedanken gemacht. Ich denke es ist schwierig zu beantworten, wie man in einer solchen Extremsituation reagiert. Jedoch könnte ich mir vorstellen unter gewissen Umständen von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Beispielsweise, um das Leben unschuldiger oder mein eigenes Leben zu schützen. Ich denke jedoch, dass ich im Laufe meiner Ausbildung dazu ausgebildet werde in einer derartigen Extremsituation die beste Entscheidung zu treffen.“

Ärztliche Untersuchung

Die ärztliche Untersuchung ist im Grunde genommen die „Musterung“. Also die Eignung der physischen/körperliche Voraussetzung. Hier wirst du auch ein Tauglichkeitsgrad bekommen. Um den Eignungstest für die Offizierslaufbahn zu bestehen, musst du mindestens den Tauglichkeitsgrad (T2) haben. Dies sollte aber bei „normalen“ körperlichen Voraussetzungen gegeben sein. Anders wie viele behaupten, hat der Tauglichkeitsgrad nichts mit der körperlichen Fitness zu tun. Wer den Tauglichkeitsgrad 1 hat ist uneingeschränkt in der Bundeswehr verwendbar. So sind beispielsweise Kameraden mit einer Körpergröße unter 1,80 Meter automatisch T2, da sie nicht im Wachbattallion eingesetzt werden können. Zu große Menschen können beispielsweise für andere Tätigkeitsfelder ungeeignet sein. Macht euch dementsprechend nicht zu viele Sorgen. Wer T2 gemustert wird, ist nicht automatisch schlechter als jemand der T1 gemustert wurde. Sollte der Amtsarzt jedoch eine medizinische Diagnose stellen, welche zur Untauglichkeit für die Bundeswehr führt, besteht die Möglichkeit sich eine „zweite Meinung“ bei einem zivilen Arzt einzuholen. Diese kann den ersten Befund entkräften. Solltet ihr hiervon betroffen sein informiert euch beim zuständigen Fachpersonal.

Es werden unter anderem folgende ärztliche Test gemacht:

  • Inaugenscheinnahme der Körperhaltung (Fußstellung, Beinlänge etc.)
  • Inaugenscheinnahme der körperlichen Erscheinung (Profil etc.)
  • Blutdruckmessung
  • Beweglichkeitstest
  • Überprüfung der Sehfähigkeit/ peripheres Sehen etc.
  • Überprüfung Körpergewicht und Körpergröße
  • Blendungstest
  • Überprüfung der Hörfähigkeit
  • Urinprobe mit Drogenschnelltest

Somit habt ihr einen kurzen Überblick über einige Punkte der ärztlichen Untersuchung für den Einstellungstest Bundeswehr. Auf die ärztliche Untersuchung könnt ihr euch, abgesehen vom Körpergewicht, nicht vorbereiten und Drogenkonsumenten haben bei der Bundeswehr so oder so nichts verloren. Für alle Anderen gilt bei der ärztlichen Untersuchung lächeln und mitmachen. Ich weiß, dass viele Mühten über die ärztliche Untersuchungen bei der Bundeswehr vorherrschen. Doch ich kann euch versichern, dass alles halb so wild ist.

Gruppensituationsverfahren

Das „eigentliche“ Assessmentcenter beginnt mit den Gruppensituationsverfahren. Bei diesem Verfahren sitzt ihr mit 3- 5 Personen in einem Raum und müsst sogenannte „Planspiele“ absolvieren. Weiterhin sitzt im Raum eine Prüfungskommission mit meisten 2-3 Prüfern.

Tipp: Von Anfang an wird euer Verhalten, eure sozialen und sprachlichen Fähigkeiten überprüft. Es sollte ein höflicher Umgangston mit den anderen Prüflingen herrschen, obwohl diese in dem Moment direkte Konkurrenten sind. Denkt dran eine „vernünftige“ Sitzposition einzunehmen. Fußstellung parallel nach vorne gerichtet. Hände im positiven Bereich und Arme nicht verschränkt. Spielt beispielsweise nicht mit einem Stift. Alle positiven und negativen Verhaltensweisen werden von den Prüfern beobachtet und gegebenenfalls protokolliert. Auch bevor der richtige Test überhaupt losgeht.

Die Gruppe von Prüflingen bekommt im Gruppensituationsverfahren drei Aufgaben.

Die erste Aufgabe besteht darin ein Planspiel zu absolvieren. Hier bekommt jeder Bewerber Zeit sich einen Text durchzulesen bzw. der Text wird durch die Prüfer verlesen. In diesem Text wird ein Problem dargestellt. Beispielsweise seid ihr Verantwortliche einer Jugendfreizeit, bei der während eines Ausfluges Probleme entstehen. Es gilt nun dieses Problem in der Gruppe zu diskutieren und eine geeignete Lösung zu finden. Dabei kommt es nicht darauf an die „perfekte“ Lösung zu finden. Eine perfekte Lösung wird es nicht geben und ist auch bei den Prüfern nicht vorgesehen. Es geht darum, als Bewerber in der Gruppe eine Position zu beziehen und selber Argumente zu bringen bzw. andere Argumente zu entkräften.

Tipp: Falls es dir gelingt ergreife als erster/erste das Wort, nachdem der Prüfer das Planspiel eröffnet. Dies wird positiv vermerkt, da du den „Mut“ hast die Situation zu eröffnen. Falls es dir nicht gelingt falle anderen nicht ins Wort und sei nicht zu „dominant“. Ein zu kleiner Redeanteil ist jedoch auch nicht gut. Versuche gute Argumente zu bringen und Argumente anderer sachlich zu entkräften. Sei dabei stets höflich zu allen Beteiligten. Der gesunde Mittelweg wird eine gute Wahl sein.

Der Prüfer wird nach einer vorgegebenen Zeit das Planspiel beenden. Egal ob ihr zu einer Lösung gekommen seid oder nicht. Dies ist jedoch nicht schlimm. Es geht weiter zum zweiten Planspiel.

Das zweite Planspiel besteht aus einer Verknappung einer Ressource. Es wird eine Ressource in den Raum gestellt, die jedoch nicht für alle Teilnehmer der Gruppe ausreicht. Die Vorgabe ist, dass jeder Bewerber die Ressource für sich beanspruchen soll. Hier ist wie im ersten Planspiel sehr wichtig, dass sachliche Argumente genutzt werden, um seinen Anspruch geltend zu machen.

Im Gegensatz zum ersten Planspiel, indem gemeinsam eine Lösung gefunden werden musste, ist es jetzt wichtig sich in „Konfliktsituation“ auf angemessene Art und Weise durchzusetzen.

Tipp: Bleibe auch hier sachlich und versuche starke Argumente zu bringen die dich in eine gute Verhandlungsposition bringen. Sei nicht unhöflich oder ungeduldig, versuche jedoch auch hier das Wort als Erste/Erster zu ergreifen.

Der Prüfer wird nach der vorgebende Zeit auch dieses Planspiel beenden.

Kurzvortrag

Der Kurzvortrag wird insgesamt 10 Minuten dauern. Du hast 25 Minuten Zeit dich mit dem Thema zu beschäftigen und dich auf den Vortrag vorzubereiten. Das Thema wird dir von dem Prüfer bereitgestellt und tangiert meistens aktuelle Fragestellungen. Es könnte beispielsweise um politische Entscheidungen der Bundesregierung gehen oder auch um das Wahlrecht für Minderjährige oder Ähnliches.

Der Kurzvortrag dient den Prüfern dazu, deine Fähigkeiten des freien Sprechens zu beurteilen. Weiterhin soll der Kurzvortrag zeigen in wie weit du fähig bist fremde Inhalte und dich selber als Person zu präsentieren. Die anderen Bewerber werden im Raum sitzen und dir zusammen mit den Prüfern zuhören.

Tipp: Sprich laut und deutlich und achte auf deine Körperhaltung (Hände  im positiven Bereich). Du solltest mit allen im Raum anwesenden zwischenzeitig Blickkontakt halten und nicht nur auf deine Vorbereitungskarten schauen. Halte die Zeit ein! Vorgabe ist Vorgabe, dies gilt besonders bei der Bundeswehr. Dein Vortrag sollte die vorgegebene Zeit nicht mehr als dreißig Sekunden über oder unterschreiten. Also nimm dir eine Armbanduhr mit und stoppe die Zeit.

Interview

Das Interview ist ein klassisches Mittel der Eignungsfeststellung von Bewerbern. Es unterscheidet sich nicht von Bewerbungsgesprächen anderer Branchen. Nichts desto trotz oder gerade deswegen, solltest du die Chance nutzen die Prüfer hier nochmal von dir zu überzeugen. Den Prüfern liegen auch alle Informationen aus den vergangenen Tests vor, welche sie unter Umständen mit in das Gespräch einfließen lassen.

Du solltest dich auf das Interview wirklich gut vorbereiten. Es werden dir unterschiedlichste Fragen gestellt. Besonders in den Themen Allgemeinbildung, Politik, Geschichte, aktuelle Vorkommnisse und über dich als Person und deinen Umgang mit Problemen.

Besonders deine Motivation zur Bundeswehr zu gehen wird hinterfragt. Deswegen ist es hier enorm wichtig, die beim ersten Tag bereits gegebenen Tipps zu nutzen.

Bist du bereit auf Menschen zu schießen und diese zu töten? Ist dir bewusst das du im Einsatz sterben kannst? Was machst du wenn deine Mutter stirbt und du dich im Auslandseinsatz befindest und du nicht rechtzeitig zur Beerdigung nach Hause fliegen kannst? Diese oder ähnliche Fragen werden dir auf jeden Fall gestellt werden.

Tipp: Bereite dich auf solche Fragen vor. Du sollst wahrheitsgemäß antworten und authentisch bleiben, aber es ist positiv, wenn die Prüfer sehen, dass du dich mit derartigen Fragestellung bereits auseinandergesetzt hast. Um dir ein wenig Zeit zum Überlegen zu verschaffen, kannst du bei deinen Antworten mit Floskeln wie: „Das ist eine schwierige Frage“ oder „Darüber habe ich mir selbstverständlich auch schon Gedanken gemacht“  antworten.

Die Frage, ob du auf Menschen schießen kannst wird mit großer Wahrscheinlichkeit gestellt. Du solltest dich mit der Fragestellung wirklich auseinandersetzen. Wenn du zum Schluss gekommen bist, dass du auf Menschen schießen kannst, sollte deine Antwort jedoch nicht „JA!“ sein.

Du könntest beispielsweise sagen, dass du grundsätzlich bereit bist unter gewissen Umständen auf Menschen zu schießen, wenn es um das Leben von Unschuldigen oder Kameraden geht. Du jedoch hoffst und glaubst, dass die Bundeswehr dich dafür ausbildet, um in solchen Extremsituation die richtige Entscheidung zu treffen.

Ich kann dir empfehlen auch auf andere Fragen ausführlich zu antworten. Dies zeigt, dass du dich mit den Fragestellungen auseinandergesetzt bzw. das du keine leichtfertigen und impulsgesteuerten Entscheidungen triffst.

Das Interview wird von den Prüfern irgendwann beendet. Die Prüfer schicken dich aus dem Raum und beraten sich. Sie entscheiden nun anhand der gesamten Testergebnisse und dem gerade durchgeführten Interview, ob du die Eignung für die Offizierslaufbahn erhältst. Irgendwann wirst du in den Raum zurück gerufen und erfährst das Ergebnis. Die Prüflinge, welche die Eignung für die Offizierslaufbahn nicht erhalten haben, fahren nach dem Interview nach Hause. Für die Anderen geht es weiter. Denn wer die Eignung für die Offizierslaufbahn hat ist noch nicht eingestellt. Um an der Offizierslaufbahn teilzunehmen muss grundsätzlich ein Studium abgeschlossen werden. Hat ein Bewerber die Studieneignung nicht wird er nicht eingestellt.

Der zweite Tag ist nun für dich beendet. Du hast nun Zeit zur freien Verfügung und kannst dich mit den verbliebenen Bewerbern über die Erlebnisse des Tages austauschen. Nicht selten fährt nach dem zweiten Tag die Hälfte der Bewerber nach Hause.

Dritter Tag

Bundeswehr Sporttest

Der gefürchtete Bundeswehr Sportttest wird ebenfalls für die Offizierslaufbahn durchgeführt. Den Bundeswehr Sporttest für die Offizierslaufbahn habe ich aufgrund einer besseren Übersichtlichkeit auf einer eigenen Unterseite thematisiert.

Hier gelangst du auf diese Seite → Bundeswehr Sporttest

Studienberatung

Wie bereits geschildert gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen die Möglichkeit an der Offizierslaufbahn zu beginnen, ohne ein Studium absolviert zu haben. Das heißt im Umkehrschluss, wer keine Studieneignung im Bundeswehr Einstellungstest vorweisen konnte kann an der Offizierslaufbahn nicht teilnehmen.

Der letzte Punkt des Bundeswehr Einstellungstest für die Offizierslaufbahn ist also die Studienberatung. Hier begibst du dich mit dem „Einplaner“ in einen Raum. Deine Studienwünsche, welche du in deinen Bewerbungsunterlagen angeben musstest, werden mit deiner im Bundeswehr Test erbrachten Studieneignung verglichen. Der Einplaner wird dir die Ergebnisse mitteilen. Im Regelfall ist die Studieneignung nicht bei allen deiner Wünsche gegeben. Vor allem wirkt der Mathetest im computergestützten Bereich sich entscheidend auf deine Studieneignung aus. Doch kommen auch einige Studiengänge ohne großartige Leistungen im Mathebereich in Frage, wenn man gute Leistungen im restlichen Auswahlverfahren für die Offizierslaufbahn gezeigt hat. So können geisteswissenschaftliche Studiengänge auch mit Mathedefiziten studiert werden. Ich selbst habe in dem Mathetest nicht sonderlich gut abgeschnitten. Die Eignung für technischen Studiengänge wirst du bei einem schlechten Ergebnis im Mathetest nicht erreichen.

Wird dir keine Studieneignung bescheinigt, könnte dir unter Umständen vorgeschlagen werden der Laufbahn der Feldwebel beizutreten. Diese Möglichkeit kannst du dir jedoch in Ruhe zuhause überlegen.

Grundsätzlich werden deine Testergebnisse drei Jahre aufbewahrt. Du kannst dich also nächstes Jahr wieder für die Offizierslaufbahn bewerben. Wenn im nächsten Prüfungsverlauf das „Niveau“ der Bewerber nicht so hoch ist, hast du also die Möglichkeiten mit den Testergebnissen trotzdem Offizier zu werden. Dies gilt auch wenn du dich doch für ein ziviles Studium oder eine Ausbildung entscheiden solltest und du nach einer gewissen Zeit das Interesse verlierst und doch zur Bundeswehr möchtest. Trotzdem solltest du im Bundeswehr Einstellungstest dein Bestes geben. Denn niemand will versagen und sich selbst und seine Angehörigen enttäuschen.

Im besten Fall wird dir der Einplaner sagen, dass du geeignet bist, um an einem Studiengang an den Bundeswehruniversitäten in München oder Hamburg bzw. beim Medizinstudium an einer zivilen Hochschule teilzunehmen.

Es gibt nun drei Möglichkeiten, wie das Auswahlverfahren abgeschlossen wird.

  • Zum einen kannst du vorläufig als Soldat auf Zeit eingestellt werden. Das heißt, du bist grundsätzlich für den Beruf des Offiziers geeignet und hast eine Studieneignung. Deine Leistungen werden aber in den nächsten Monaten noch mit den Leistungen der zukünftigen Bewerber verglichen. Sind diese besser als du, wird dir die Zusage entzogen. Du kommst somit auf eine „Warteliste“. 
  • Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass du eine Sofortzusage als Soldat auf Zeit erhältst. Hierbei sind deine Testergebnisse so gut, dass in der Zukunft voraussichtlich nicht viele Bewerber besser sind als du. Du wirst somit sofort eingestellt.
  • Die dritte und sehr seltene Möglichkeit besteht darin, unter Auflagen direkt als Berufsoffiziersanwärter eingestellt zu werden. Hierbei bietet die Bundeswehr dir an unter bestimmten Voraussetzung sofort zum Berufsoffizier ernannt zu werden. Eine Voraussetzung kann beispielsweise sein, dass du dein Studium mit Erfolg abschließen musst. Du kannst hierbei jedoch immer nach deiner Verpflichtungszeit „kündigen“. Es ist sozusagen eine großartige, einseitige Zusage der Bundeswehr.

Wie gesagt ist diese Möglichkeit sehr selten und nur mit extrem guten Testergebnissen zu erreichen. Oftmals werden derartige Zusagen auch nur in Bereichen der Bundeswehr erteilt, welche „Nachwuchssorgen“ haben. Beispielsweise versucht man geeignete Informatiker in Uniform für die elektronische Kampfführung zu gewinnen. Dies geschieht, um die wenigen geeigneten Bewerber in dieser Fachrichtung sofort an die Bundeswehr zu binden.

Nun hast du es hoffentlich geschafft deinen Traum zu erfüllen. Du kannst nach Hause fahren und deinen Eltern und Verwandten von dem großen Erfolg berichten. Du wirst nun Offizier der Bundeswehr. Herzlichen Glückwunsch!