Bundeswehr Cyber und Bundeswehr IT / Die Neue Teilstreitkraft

Auszug aus dem Abschlussbericht Aufbaustab Cyber- und Informationsraum

Folgend möchte ich dir einen Auszug aus dem offiziellen Aufbauabschlussbericht der neuen Teilstreitkraft vorstellen. Eine neue Teilstreitkraft (Bundeswehr Cyber und Bundeswehr IT) und für viele eine großartige Chance in der Bundeswehr Karriere zu machen. Viel Spaß beim Lesen.

Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sind in einer zunehmend vernetzten, digitalisierten Welt für Angriffe im Cyber- und Informationsraum (CIR) verwundbarer geworden. Diese digitale Verwundbarkeit der Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren staatliche und nichtstaatliche Akteure – insbesondere im Rahmen der hybriden Kriegsführung – zu Nutze gemacht. Die mögliche Anonymität von Angriffen (Attributionsproblematik) und die kostengünstigen Möglichkeiten zur asymmetrischen Wirkung haben Cyber-Angriffe und Maßnahmen im Informationsumfeld zu einem wirkungsvollen Mittel gemacht – häufig um Ziele unterhalb der Schwelle eines militärischen Angriffs durchzusetzen.

Die zunehmend komplexeren Angriffe erfordern den Ausbau der staatlichen Handlungsfähigkeit zum Schutze unseres demokratischen Systems und seiner wirtschaftlichen Grundlagen. Die NATO behandelt den Cyber und Informationsraum deshalb als einen eigenen Operationsraum, viele Partnerländer haben eigene Cyber-Fähigkeiten in eigenen Organisationsformen ausgeprägt. Auch die Bundeswehr muss ihren Beitrag für die Sicherheitsarchitektur in Deutschland ausbauen und sich auf die neuen Bedrohungen aus dem Cyber- und Informationsraum einstellen. Die technische Weiterentwicklung von einfachen Viren hin zu komplexen, schwer erkennbaren Attacken (Advanced Persistant Threats) stellt einen Qualitätssprung in der Bedrohungslage dar. Cyber-Angriffe auf Staaten und Kritische Infrastrukturen sind schon lange keine Fiktion mehr, sondern Realität. Zahlreiche Vorfälle in ähnlich entwickelten und digitalisierten Partnerländern und -streitkräften in den letzten Jahren belegen dies. Der Ausbau von Bundeswehr Cyber-Fähigkeiten ist daher ein essentieller Beitrag zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge und bietet zusätzliche Handlungsoptionen für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung einschließlich der Begegnung hybrider Bedrohungen. Die Bundeswehr als zunehmend digitalisierte Großorganisation muss sich deshalb für die Chancen der Digitalisierung und die Bedrohungen des Cyber- und Informationsraums organisatorisch aufstellen. Der Aufbaustab CIR empfiehlt folgende organisatorische Maßnahmen: – Einrichtung einer Abteilung Cyber/ IT (CIT) im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) zum 1. Oktober 2016 (Grundbefähigung) – Aufstellung eines militärischen Organisationsbereichs für den Cyber- und Informationsraum mit einer Inspekteurin bzw. einem Inspekteur an der Spitze zum 1. April 2017 (Erstbefähigung) In der Abteilung CIT im BMVg in Berlin und in Bonn wird unter der Führung einer oder eines Ressort Chief Information Officer (Ressort-CIO) die Verantwortung für die Themen Cyber und IT „in einer Hand“ gebündelt (IT-Architekt). Der oder die Ressort-CIO verantwortet die Bereiche Cyber-/ ITGovernance und IT-Services/ Informationssicherheit sowie die unternehmerische Steuerung der Bundeswehr Informationstechnik GmbH (BWI). Diese Abteilung CIT folgt dem Prozessgedanken “PLAN, BUILD und RUN“. Die Bündelung der Kompetenzen für IT auf Abteilungsleiterebene soll so der stei- OFFEN Zusammenfassung Seite 2 genden Relevanz von IT und Digitalisierung Rechnung tragen und die Modernisierung der Bundeswehr in der Informationstechnologie schlagkräftig vorantreiben.

Mit dem Aufbau des militärischen Organisationsbereiches CIR soll der Bundeswehr Cyber- und Informationsraum als Operationsraum bzw. militärische Dimension angemessen abgebildet werden. Zugleich wird damit der besonderen Schwerpunktsetzung innerhalb der NATO und der EU zu diesem Aufgabenbereich Rechnung getragen. Im neuen Kommando (Kdo) CIR in Bonn werden unter Führung der Inspekteurin bzw. des Inspekteurs die Aufgaben Cyber, IT, Militärisches Nachrichtenwesen, Geoinformationswesen und Operative Kommunikation gebündelt und aus einer Hand truppendienstlich und fachlich geführt. Dazu wandern in einem ersten Schritt ca. 13.700 Dienstposten mit ihren Aufgaben zum Organisationsbereich CIR. Darüber hinaus werden ca. 300 Dienstposten für die Führungsfähigkeit des KdoCIR, die Aufstellung eines Zentrum Cyber-Sicherheit der Bundeswehr und die Stärkung der Aufgabe Computer Netzwerk Operationen herangezogen. Für das Kommando des Organisationsbereichs wird eine schlanke Startaufstellung empfohlen. Die bisherigen Standorte bleiben erhalten. Weitere Fähigkeiten werden auf der Zeitachse auf- und ausgebaut. Mit der organisatorischen Weiterentwicklung auf der Ebene BMVg und dem Organisationsbereich CIR kann die Bundeswehr die entscheidenden Weichen für eine stärker IT-getriebene Modernisierung und die Aufwertung des Bundeswehr Cyber- und Informationsraums als militärische Dimension stellen. Effizientere und schlagkräftigere Strukturen sind eine wesentliche und notwendige Voraussetzung für konkrete Verbesserungen wie schnellere Beschaffungsprozesse, einheitliche Strategien und harmonisierte Architekturen. Um neben der organisatorischen Weiterentwicklung auch in der Substanz bereits Fortschritte zu machen und die Modernisierung voranzubringen, empfiehlt der Aufbaustab ergänzende Maßnahmen auch zur Umsetzung der Strategischen Leitlinie Cyber-Verteidigung. Diese Maßnahmen zielen auf verschiedenste Bereiche wie Personal (z.B. dynamische Werdegangsmodelle), Rekrutierung und Ausbildung (z.B. Cyber-Security Studiengang an der UniBw München), den Ausbau der „Cyber Awareness“ in der Bundeswehr (z.B. Cyber-Hygiene Check-Up) und die ressortübergreifende Kooperation im Cyber-Raum (z.B. Dialog mit dem Bundesministerium des Innern).

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